Psoriasis-Arthritis - Nicht nur auf die Gelenke achten!

Über diesen Beitrag: Die Psoriasis-Arthritis kann auch ohne auffällige Hauterscheinungen auftreten. Der folgende Beitrag gibt Tipps zur Früherkennung und beleuchtet die aktuellen Empfehlungen zur Behandlung.

Psoriasis-Arthritis früh erkennen

Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Entzündliche Gelenke, keine Psoriasis der Haut, einige Nagelveränderungen - hier denkt man nicht unbedingt sofort an eine Psoriasis-Arthritis. Wegen ihres mannigfaltigen Erscheinungsbildes bleibt die Erkrankung häufig lange unerkannt. Prof. Elisabeth Märker-Hermann von den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden gibt Tipps für die Diagnose und die Therapie.

Psoriasis-Arthritis, rechts Röntgenbild.

 

Die Psoriasis-Arthritis ist eine sehr facettenreiche Erkrankung, sowohl was ihre Manifestationen aber auch den Schweregrad betrifft. Etwa 1-2% der Bevölkerung leiden an einer Psoriasis, von ihnen entwickeln rund 10% eine Arthritis. Märker-Hermann zufolge kann die Psoriasis-Arthritis nach Moll & Wright in fünf Spielarten zutage treten:

  • Endgelenksbefall
  • Arthritis mutilans
  • Polyartikulär-symmetrischer (rheumatoider) Typ
  • Asymmetrische Oligoarthritis
  • Spondylitis ankylosans mit oder ohne periphere Gelenkbeteiligung

ERSCHEINUNGSFORMEN

Die Endgelenksarthritis manifestiert sich besonders an solchen Fingergelenken, die auch eine Nagel-Psoriasis aufweisen. Typisch bei der Arthritis mutilans hingegen ist das Teleskop-Phänomen - durch die Zerstörung von Knochen und Gelenk schnurren die Gelenke quasi zusammen. Ganz wie eine Rheumatoide Arthritis (RA) präsentiert sich der polyartikulärsymmetrische Typ mit dem für die RA charakteristischen Grundgelenks- und Mittelgelenksbefall - allerdings sind hier die Patienten Rheumafaktor-negativ. Angesichts der vielfältigen Erscheinungsformen fällt die Diagnose einer Psoriasis-Arthritis nicht immer leicht.

Typisches Röntgen: Nebeneinander von Destruktion und Knochenneubildung.

 

DIAGNOSE-HILFE

Hilfreich sind hier die Klassifikationskriterien nach CASPAR (Classification of Psoriasis Arthritis), so Märker-Hermann. Nach diesen Kriterien liegt dann eine Psoriasis-Arthritis vor, wenn der Patient eine entzündliche Gelenkserkrankung (Gelenke, Wirbelsäule oder Enthesen) aufweist sowie noch 3 oder mehr Punkte aus der folgenden Liste hinzukommen:

  • Aktuell vorhandene Psoriasis (ergibt 2 Punkte!)
  • Eigenanamnese einer Psoriasis (falls Psoriasis aktuell nicht manifest)
  • Familienanamnese einer Psoriasis (Familienmitglieder 1. oder 2. Grades)
  • Psoriatische Nageldystrophie (z. B. Onycholyse, Tüpfelnägel Hyperkeratose)
  • Negativer Rheumafaktor-Test (jede Methode erlaubt außer Latex-Test; bevorzugt ELISA oder Nephelometrie, entsprechend lokalen Referenzwerten)
  • Aktuelles Vorhandensein einer Daktylitis
  • Anamnese einer Daktylitis
  • Radiologische Evidenz einer juxtaartikulären Knochenneubildung

Stellt sich also ein Patient mit entzündlichen Gelenken in der Praxis vor und können Sie einen psoriatischen Haut- oder Kopfhautbefall feststellen, außerdem noch die klassischen Knochenneubildungen im Röntgenbild, dann ist die Diagnose "Psoriasis-Arthritis" gesichert. Ebenso, wenn beispielsweise zu den entzündlichen Gelenken eine positive Familienanamnese und ein negativer Rheumafaktor hinzukommen und außerdem ein gesamter Finger oder Zeh geschwollen ist.

THERAPIESTRATEGIEN

Wie sehen nun die therapeutischen Möglichkeiten aus? Ziel der Behandlung ist es, die klinische Ausprägung und die Symptome der Erkrankung zu verbessern und Gelenkschäden zu vermeiden. Entzündliche Gelenke, keine Psoriasis der Haut, einige Nagelveränderungen - hier denkt man nicht unbedingt sofort an eine Psoriasis-Arthritis. Wegen ihres mannigfaltigen Erscheinungsbildes bleibt die Erkrankung häufig lange unerkannt. Prof. Elisabeth Märker-Hermann von den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden gibt Tipps für die Diagnose und die Therapie. Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern 32| ärztliches journal orthopädie/rheumatologie 4|2011 wissenswert Psoriasis-Arthritis früh erkennen Fotos: Märker-Hermann Psoriasis-Arthritis, rechts Röntgenbild.

Behandlungsempfehlungen je nach Manifestationsform der Psoriasis-Arthritis.

 

Außerdem sollen der funktionelle Status und die Lebensqualität der Patienten optimiert werden. Dafür hat GRAPPA Behandlungsempfehlungen erarbeitet, die in der Tabelle oben aufgeführt sind. In der Regel werden bei milden Verlaufsformen NSAR gegeben, bei unzureichendem Ansprechen sind auch DMARDs zu erwägen. Wenn diese versagen, kommen TNF-α-Blocker zum Zuge, so Märker-Hermann.

Akute Manifestation einer asymmetrischen Oligoarthritis, nur diskrete Psoriasis  
retroaurikulär und Nagel-Psoriasis.

 

Liegt eine axiale Erkrankung vor, werden nach den NSAR keine DMARDs eingesetzt, es erfolgt keine Basistherapie - hier wechselt man gleich auf TNF-α-Blocker. Diese zeigen hier die gleiche Wirksamkeit wie bei der Ankylosierenden Spondylitis, so Märker-Hermann. So erziele etwa das subkutan applizierte Golimumab sehr gute Ansprechraten für die Gelenke. Auch für die Hände, die Haut sowie für die Daktylitis und die Enthesitis, die sonst therapeutisch schwer in den Griff zu bekommen sind, liegen der Rheumatologin zufolge überzeugende Studiendaten für diesen TNF-α-Blocker vor.

Birgit Bok

"INFORM 2011: Interdisziplinäres Forum für Orthopädie und Rheumatologie" am 2. April in Frankfurt (Veranstalter: MSD)

ärztliches journal orthopädie/rheumatologie 4|2011

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