Bluthochdruck und Betablocker befördern Schuppenflechte

Über diesen Beitrag: Datenanalysen der Nurses Health Study weisen auf ein erhöhtes Schuppenflechte-Risiko für langjährige Bluthochdruck-Patienten hin. Fast 50% beträgt es bei Nichtbehandlung und immer noch 39% bei der Verwendung von Betablockern, im Unterschied zu anderen Antihypertensiva (27%). Die pathophysiologischen Zusammenhänge sind interessant, noch praxisrelevanter ist der Blick auf die Haut bei Hypertonikern und auf die Medikamentenliste Ihrer Psoriasis-Patienten. Denn nicht nur Betablocker leisten der Hautzellproliferation Vorschub.

Haut von Hypertonikern durch Psoriasis bedroht - gleich auf mehrfache Weise!

Für Patienten mit Schuppenflechte kann sich der Verzicht auf Betablocker lohnen

PROVIDENCE/DENVER - Ihre Patientin leidet schon mehrere Jahre unter Bluthochdruck? Und nimmt vielleicht auch noch Betablocker ein? Dann schauen Sie sich die Haut dieser Frau einmal genauer an - Sie könnten eine Psoriasis entdecken.

Dass die Schuppenflechte nicht alleine ein Hautproblem darstellt, sondern auf einer systemischen entzündlichen Erkrankung beruht, weiß man schon seit Längerem. Belegt ist darüber hinaus, dass Psoriasispatienten allgemein ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen inklusive Bluthochdruck tragen. Nach jüngst publizierten Daten kann jedoch die Hypertonie der Hauterkrankung auch vorausgehen und - quasi als Vorläufer - auf die Gefahr der Psoriasis hinweisen. Zudem begünstigen bestimmte Antihypertensiva die Manifestation der Dermatose, was die Sache besonders komplex macht.

Entzündung an der Haut und in den Gefäßen

Während die meisten diesbezüglichen Erkenntnisse bislang aus Beobachtungs- und Fallkontrollstudien stammen, präsentieren US-Autoren nun erstmals prospektive Daten aus der Nurses' Health Study an über 77 000 Frauen.1 Von den Teilnehmerinnen, die im Jahr 2008 im Mittel etwa 60 Jahre alt waren, hatten 843 im Zeitraum zwischen 1996 und 2008 eine Psoriasis entwickelt.

Sechs Jahre Hypertonie, Psoriasis-Risiko um 27 % erhöht

Wie die Analysen ergaben, trugen Frauen mit einer über sechsjährigen Hypertonie-Anamnese ein um 27 % erhöhtes Schuppenflechte-Risiko. Für Patientinnen, die über mindestens sechs Jahre Betablocker eingenommen hatten, bestand gegenüber anderen, die solche Pharmaka nicht benutzten, ein um 39 % erhöhtes Risiko. Andererseits waren nicht behandelte Hypertonikerinnen gegenüber Normotonikerinnen sogar mit einer um 49 % gesteigerten Psoriasis-Gefahr im Nachteil. Was einzelne Antihypertensiva betrifft, so zeigten Thiazide, Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer im Gegensatz zu Betablockern keine negativen Hauteffekte.

Pathophysiologische Erklärungen für diese Zusammenhänge fokussieren u.a. auf das Immunsystem, insbesondere die T-Zellen. Psoriasis als chronisch-entzündliche Hauterkrankung wird u.a. auf eine T-Zell-vermittelte Hyperproliferation der Keratinozyten zurückgeführt. Bei der arteriellen Hypertonie lassen sich oxidativer Stress und chronische Inflammation ebenfalls mit Immunmechanismen und einer veränderten Aktivität von T-Lymphozyten in Verbindung bringen.

Betablocker beeinflussen auch die T-Lymphozyten

Betablocker wiederum setzen an verschiedenen Stellen an: Betaadrenerge Rezeptoren an der Haut sind an der Zell-Proliferationshemmung beteiligt, zudem scheinen Betablocker auch auf T-Zellen Einfluss zu nehmen. Und welche Bedeutung haben die aktuellen Erkenntnisse nun für die Praxis? Wir müssen daran denken, dass Medikamente - nicht nur Betablocker, sondern auch Antimalariamittel, Lithium, Interferon und andere - der Psoriasis Vorschub leisten, heißt es in einem Kommentar zur Studie.2 Deshalb sollten insbesondere auch Dermatologen die Medikamentenliste ihrer Psoriasispatienten genau inspizieren und die Pharmakotherapie gegebenenfalls - in Kooperation mit dem Hausarzt und/oder Internisten - umstellen.

Dr. Carola Gessner

  1. Shaowei Wu et al., JAMA Dermatology 2014; online first
  2. April W. Armstrong, a.a.O.

Quelle: Medical Tribune | 49. Jahrgang | Nr. 45 | 7. November 2014 | 34

 


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