Schuppenflechte - Schauen Sie Kindern auf die Finger!

Über diesen Beitrag: Vor allem dann, wenn auch ein Elternteil von der Schuppenflechte betroffen ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Kinderfinger. In rund 40% der Fälle von kindlicher Psoriasis sind die Nägel beteiligt, erkennbar etwa an den typischen Ölflecken. Was sonst im Umgang mit dieser Hautkrankheit bei den kleinen Patienten zu beachten ist, fasst der folgende Kongressbericht kurz zusammen.

Auf Haut-Plaques, Ölflecken und Tüpfelnägel achten!

Psoriasis bei Kindern oft übersehen

HAMBURG – Auch Kinder können schon an Schuppenflechte leiden. Doch die Psoriasis wird bei ihnen oft übersehen – trotz typischer Hautveränderungen. Schauen Sie deshalb genauer hin, besonders wenn schon ein Elternteil erkrankt ist.

Die psoriatrischen Hautveränderungen finden sich bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen meist an den typischen Prädilektionsstellen wie Streckseiten der Arme und Beine, Rumpf, Lumbosakralbereich und behaarter Kopf. Auch die zahlreichen Sonderformen bis hin zur pustulösen oder erythrodermalen Manifestation lassen sich bereits im Kindesalter nachweisen, so Professor Dr. Matthias Augustin , Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf. Etwa 40 % der kleinen Patienten zeigen eine Nagelbeteiligung mit subungualen Hyperkeratosen, Ölflecken, Onycholysen und Tüpfelnägeln.

Hinter kurzgeschnittenen Nägeln gut versteckt: Auch bei Kindern mit Schuppenflechte kann man oft die typischen Ölflecken im Nagel erkennen.

Im Erwachsenenalter liegt die Prävalenz der Psoriasis bei 2,1 %, bei kleinen Kindern (0 bis 9 Jahre) wird sie mit 0,6 % deutlich niedriger geschätzt, steigt aber bei den 10- bis 19-jährigen schon auf 1,4 %.

Schuppenflechte von der Halsentzündung?

Eine positive Familienanamnese kann man mit 68 % sogar etwas häufiger eruieren als bei Erwachsenen. Als häufige Auslöser des ersten Psoriasisschubes erwiesen sich in einer Untersuchung von 223 Kindern Stress, Traumata und Infektionen wie die Pharyngitis. Mit einer Spontanremissionsrate von 35 % ist die Prognose etwas günstiger als bei Erwachsenen (24 %).

Die Therapie der juvenilen Psoriasis entspricht im Prinzip der erwachsener Patienten. Allerdings sind viele der bei dieser Indikation eingesetzten Medikamente nicht für Kinder zugelassen, betonte Prof. Augustin auf der Jahrestagung der DGKJ*. Die dermatologische Basistherapie erfolgt in der Regel mit harnstoffhaltigen Externa, ggf. ergänzt durch topische Kortikosteroide und Vitamin-D 3 -Analoga. Vor allem für die (teil-)stationäre Therapie eignet sich auch Dithranol. Die bei Erwachsenen häufig erfolgreiche Phototherapie dagegen ist im Kindesalter nicht zugelassen und darf hier nur mit strenger Indikationsstellung angewandt werden.

Mittel der Wahl zur systemischen Therapie der schweren Psoriasis vulgaris (v.a. vom Plaque-Typ) und der Psoriasis-Arthritis ist Methotrexat – bei der pustulösen Form auch Acitretin. Die schwere, therapierefraktäre Plaque-Psoriasis kann ab dem Alter von sechs Jahren auch mit dem TNF-alpha-Inhibitor Etanercept behandelt werden. Fumarsäureester und Ciclosporin sind bei Kindern nicht zugelassen – Ciclosporin kann in verzweifelten Fällen evtl. kurzfristig zum Einsatz kommen.

Adipositas und Crohn im Schlepptau

Neben der Therapie der Hauterscheinungen muss man sich oft auch um Begleiterkrankungen kümmern. Kinder und Jugendliche mit Psoriasis zeigen eine deutlich erhöhte Rate an Adipositas (8,4 % vs. 4,9 %) und leiden etwa doppelt so häufig an Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Hypertonie wie hautgesunde Altersgenossen. Außerdem tritt der Morbus Crohn bei ihnen fast viermal so häufig auf.

Maria Weiß

*Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Quelle: Medical Tribune | 47. Jahrgang | Nr. 44 | 2. November 2012 | S.20

 


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