Biologika-Paradox - Von der Schuppenflechte zum Ekzem

Über diesen Beitrag: Mit zunehmendem Gebrauch bestimmter Biologika werden auch paradoxe Reaktionen auf diese Therapeutika häufiger beobachtet: Die Symptome der zu behandelnden Psoriasis schwinden zwar, dafür tritt ein atopisches Ekzem neu oder verstärkt in Erscheinung. Die pathophysiologische Erklärung für dieses Phänomen scheint klar, die therapeutischen Gegenmaßnahmen ebenfalls.

Paradoxe Reaktion unter der Biologika-Therapie bei Psoriasis

Schuppenflechte endlich unter Kontrolle, aber dafür blüht ein atopisches Ekzem auf – ein Fall für Methotrexat und Steroide

FRANKFURT – Mit dem Biologikum Ustekinumab bekam man bei einem 53-jährigen Patienten die Psoriasis endlich einigermaßen unter Kontrolle. Nach acht Wochen traten allerdings neue Hauterscheinungen auf.

Neben den noch verbliebenen Psoriasisherden zeigten sich an den Streckseiten beider Unterarme und vereinzelt am Stamm nässende, zum Teil verkrustete Plaques, die zudem juckten. Die Histologie ergab ein Mischbild aus Psoriasis und Ekzem, sodass Dr. Bartosz Malisiewicz und seine Kollegen eine sog. „paradoxe Reaktion“ auf Ustekinumab vermuteten. Darunter versteht man die Entwicklung einer atopischen Dermatitis unter der Behandlung mit einem Biologikum, erklärte der Dermatologe. Unter Methotrexat und zusätzlichen kortikosteroidhaltigen Externa besserte sich der Hautbefund deutlich. Aufgrund steigender Leber- und Nierenwerte musste Methotrexat bei dem 53-Jährigen schließlich wieder abgesetzt werden – der Befund blieb aber unter Fortführung der Ustekinumab- Therapie und intermittierenden topischen Kortikoiden stabil.

Gegenläufige Muster bei der T-Zell-Aktivierung

Mit zunehmender Verbreitung der Biologika mehren sich die Berichte über solche paradoxen Reaktionen, so Dr. Malisiewicz. Beispielsweise wurde unter einer Therapie mit Adalimumab das Auftreten eines Asthma bronchiale, in anderen Fällen eine isolierte periphere Eosinophilie beobachtet. Außerdem gibt es bei Patienten mit Psoriasis und gleichzeitiger atopischer Dermatitis das Phänomen, dass sich die Schuppenflechte unter der Biologikatherapie deutlich bessert – das atopische Ekzem aber richtig aufblüht.

Pathophysiologisch lässt sich dies gut erklären: Psoriasis und Erkrankungen des atopischen Formenkreises sind durch gegenläufige T-Zell-Aktivierungsmuster charakterisiert. Bei der Schuppenflechte dominieren Th1/Th17-Zellen – bei Atopie findet sich eine Th2-Polarisation. Hemmt man nun den Th1/ Th17-Arm mit dem Biologikum, überwiegt unter Umständen die Th2-Antwort, was sich klinisch in einem Ekzem zeigen kann.

Therapeutisch kommen in solchen Fällen topische Kortikosteroide oder eine systemische Therapie mit Immunsuppressiva wie Methotrexat infrage. Diese Medikamente bessern sowohl die Psoriasis als auch das atopische Ekzem. [MW]

Quelle Text und Abb.: B. Malisiewicz, „Eine paradoxe Reaktion unter Biologikatherapie bei Psoriasis vulgaris“, Frankfurter Dermatologentagung 2013 in der Aktuellen Dermatologie; 39: 411-426, © Georg Thieme Verlag Stuttgart

 


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