Schnell aufgefrischt - Behandlungswissen zur Psoriasis-Arthritis

Über diesen Beitrag: Kurz und kompakt: Wer Patienten mit Psoriasis-Arthritis behandelt, sollte diese 10 Punkte zur systemischen Therapie aus den Anleitungen der "European League against Rheumatism" (EULAR) kennen.

Von NSAR bis Biologika: Detaillierte Empfehlungen erleichtern Gelenktherapie

Zehn Punkte gegen die Psoriasis-Arthritis

PARIS – Stiefkind Psoriasis-Arthritis: Bisherige Empfehlungen zur Schuppenflechte hatten vor allem die Haut im Blick. Aktuelle Anleitungen der EULAR1 richten den Fokus nun auch auf die Gelenke.

Die Erkenntnis, dass auch bei der Psoriasis-Arthritis (PsA) proinflammatorische Zytokine eine große pathogenetische Rolle spielen, hat zum Einsatz neuer Behandlungsstrategien geführt und damit die Therapie „dramatisch verändert“, heißt es in den neuen EULAR-Empfehlungen. Nicht berücksichtigt im aktuellen Konzept sind Patienten mit juveniler PsA und solche mit Psoriasis und Gelenkschmerzen ohne definitive Diagnose einer PsA. Der Zehn-Punkte-Plan für die systemische Therapie im Einzelnen:

  1. Zur Linderung muskuloskelettaler Symptome können NSAR (möglichst kurz und niedrig dosiert) eingesetzt werden.

  2. Bei aktiver Krankheit (geschwollene Gelenke, strukturelle Schäden bei florider Entzündung, erhöhte Entzündungsmarker und/oder relevante extraartikuläre Manifestationen) soll man die frühe Gabe von DMARDs2 (Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid) erwägen.

  3. Für Patienten mit aktiver Psorasis-Arthritis und relevanter Hautsymptomatik ist ein DMARD, das auch die dermatologischen Veränderungen bessert – wie Methotrexat – zu bevorzugen.

  4. Lokale Kortikoid-Injektionen eignen sich als adjuvante Therapie. Systemische Steroide können in der geringsten effektiven Dosis mit Vorsicht (evtl. Auslösung von Hautschüben!) eingesetzt werden. Evidenz aus klinischen Studien zur Steroidwirksamkeit fehlt allerdings.

  5. Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis, die nicht genügend auf mindestens ein DMARD ansprechen, sollen einen TNF-Blocker erhalten (beste Evidenz für Adalimumab, Etanercept, Golimumab und Infliximab).

  6. Da Enthesitis und Daktylitis schlecht auf DMARDs reagieren, kommen hier TNF-Blocker bereits direkt nach mangelndem Ansprechen auf NSAR bzw. lokale Steroidinjektionen zum Einsatz.

  7. Gleiches gilt für Patienten, bei denen eine axiale Spondyloarthritis im Vordergrund steht: Da auch hier DMARDs erfahrungsgemäß wenig Erfolg haben, sollte der Einsatz von TNF-Blockern erwogen werden, sobald NSAR die Lage nicht genügend bessern.

  8. Eine initiale TNF-Blocker-Therapie kommt bei DMARD-naiven Patienten in Ausnahmefällen in Betracht, wenn eine hohe Krankheitsaktivität vorliegt (zahlreiche geschwollene Gelenke, Strukturschäden bei florider Entzündung, ausgeprägte Hautbeteiligung und/oder klinisch relevante extraartikuläre Manifestationen).

  9. Wirkt ein TNF-Blocker nicht ausreichend, kann der Wechsel auf einen anderen sinnvoll sein.

  10. Bei der Anpassung der Therapie müssen Komorbiditäten und Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden.

 
Ist nur die Haut von Schuppenflechte geplagt oder leidet das Gelenk schon mit? Zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis gibt es heute einige Optionen.

Auf jeden Fall verlangt die Psoriasis-Arthritis nach den EULAR-Grundprinzipien ein multidisziplinäres Vorgehen. Neben dem Hausarzt gehören ein Rheumatologe sowie bei signifikanten Hauterscheinungen ein Dermatologe „ins Boot“. Und bitte den Patienten in die Therapieplanung einbeziehen, raten die Experten. Die gemeinsamen Ziele lauten: Symptomkontrolle, Vermeiden struktureller Schäden, normale Funktion/Sozialleben sowie eine gute Lebensqualität. Regelmäßige Überwachung und ggf. Therapieanpassung gehören zwingend dazu.

TNF-Blocker ohne MTX genauso wirksam?

Ob beim Einsatz von TNF-Blockern die DMARD-Therapie fortgesetzt werden sollte oder nicht, bleibt offen. Studien mit und ohne Methotrexat lieferten vergleichbare Ergebnisse. Auch zur Frage der Sicherheit von TNF-Blockern benötigt man mehr Daten. In Bezug auf schwere Nebenwirkungen wie Infektionen ist ihr Risiko wahrscheinlich mit dem bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis vergleichbar. Die absolute Gefahr von Infektionen oder malignen Tumoren könnte aufgrund der unterschiedlichen Pathophysiologie bei der Psoriasis-Arthritis niedriger liegen, meinen die Experten.

Dr. Anja Braunwarth

  1. European League Against Rheumatism
  2. Disease modifying antirheumatic drugs Laure Gossec et al., Ann Rheum Dis 2012; 71: online first

Quelle: Medical Tribune | 47. Jahrgang | Nr. 37 | 14. September 2012 | S.29

 


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