Neue Wirkstoffe zur systemischen Behandlung der Psoriasis vulgaris

Über diesen Beitrag: In den letzten Jahren sind mehrere neue Wirkstoffe zur Behandlung der Psoriasis auf den Markt gekommen oder stehen kurz vor der Zulassung. Auch wenn sie noch nicht Bestandteil der offiziellen Therapieleitlinien sind, werden sie von den Dermatologen bereits eingesetzt. Grund genug also, darüber Bescheid zu wissen. Dieser Beitrag liefert eine Übersicht.

Apremilast

Bei Apremilast (Otezla®) handelt es sich um den ersten oral applizierbaren Hemmer der  Phosphodiesterase-4 (PDE4). Mit diesem Biologikum erweitert sich das Spektrum der Psoriasis-Therapie nicht nur um ein neues Wirkprinzip, sondern erstmals seit 20 Jahren auch wieder um ein orales Medikament. Durch die intrazelluläre Enzymhemmung wird vermutlich die Produktion von Entzündungsmediatoren indirekt in positiver Weise moduliert.

Apremilast wurde Anfang 2015 zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis von der Europäischen Kommission zugelassen. Die Zulassung erstreckt sich auf erwachsene Patienten, bei denen sich eine systemische First-Line-Therapie wie Ciclosporin, Methotrexat oder Psoralen und UVA-Licht (PUVA) als erfolglos, unverträglich oder kontraindiziert darstellt.

Die Erkenntnisse zu Apremilast beruhen derzeit vor allem auf vier Phase-III-Studien mit insgesamt über 3.000 Patienten. Es konnte eine deutliche Verbesserung des Hautbefunds (PASI 75) nach 16 Behandlungswochen dokumentiert werden. Im Laufe eines Jahres kam es zu keinem Wirkungsverlust. Der therapeutische Erfolg erstreckt sich auch auf schwer zu behandelnde Körperpartien wie Kopfhaut und Nägel.

Ein medikamentenbezogenes Pre-Screening sowie laufende Laborkontrollen erscheinen sinnvoll, sind aber im EU-Label nicht vorgeschrieben.

Das bisher beobachtete Nebenwirkungsprofil nimmt sich vergleichsweise günstig aus. Die Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen scheint eher gering  und kein bestimmtes Organsystem besonders gefährdet zu sein. Als sehr häufig wurden gastrointestinale Beschwerden mit Diarrhoe und Nausea berichtet, aber nur in jeweils  0,3 % der Fälle als stark bewertet. Zu weiteren häufigen Nebenwirkungen zählen Infektionen der oberen Atemwege und Kopfschmerzen. Die unerwünschten Reaktionen treten vorwiegend  zu Behandlungsbeginn auf und bilden sich in der Regel innerhalb von vier Wochen wieder zurück. Langzeitbeobachtungen an größeren Patientenkollektiven bleiben abzuwarten.

Kontraindiziert ist die Gabe von Apremilast bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und  wegen mangelnder Erfahrungen bei Schwangerschaft. Aus letzterem Grund ist bei Frauen im gebärfähigen Alter neben dem Ausschluss einer Schwangerschaft vor Therapiebeginn eine zuverlässige Verhütung während des Behandlungszeitraums zu beachten. Auch während der Stillzeit sowie bei Patienten mit hereditärer Galactose-Intoleranz, Lactasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Sie von der Verschreibung des Biologikums absehen.

Secukinumab

Mit Secukinumab (Cosentyx®) wurde im Januar 2015 erstmals ein Biologikum zur primären systemischen Therapie von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen. Es handelt sich um einen rekombinanten, humanen monoklonalen Antikörper, der selektiv an Interleukin 17 (IL-17) bindet. Aus der Blockade der Rezeptorinteraktion resultieren antiinflammatorische und immunmodulierende Wirkungen. Die therapeutischen Erfolge werden teilweise sehr euphorisch kommentiert.

Dokumentiert sind sie durch mehrere randomisierte und plazebokontrollierte Phase-III-Studien mit insgesamt fast 3.500 Patienten. Nach Herstellerangaben zeigte sich eine klinische Besserung bereits nach zwei Wochen und eine 75%ige PASI-Reduktion nach vier Wochen. Am Ende der 16wöchigen Induktionsphase wiesen mindestens 70% der Patienten einen symptomfreien oder fast symptomfreien Hautbefund auf (PASI 100 bzw. 90). Dabei erwies sich Secukinumab im jeweils direkten Vergleich dem TNF-a-Blocker Etanercept und dem IL12/23-Inhibitor Ustekinumab als überlegen.

Auch nach einem Jahr Anwendungsdauer scheint es kaum Wirkungsverluste zu geben. Offenbar werden nur in geringem Maß Antikörper gegen den Antikörper gebildet. Deshalb ist nach bisherigen Erkenntnissen auch bei erneuter Gabe nach Therapieunterbrechung mit einer mehr oder weniger vollen Wirksamkeit zu rechnen. Nach Therapieende wurden erneute Hautverschlechterungen um 20% erst nach einem halben Jahr beobachtet.

Eine erhöhte Infektanfälligkeit, die typische Nebenwirkung der immunsuppressiven Biologika, scheint bei Secukinumab vergleichsweise gering ausgeprägt zu sein. Neben Infektionen der oberen Atemwege zählen vor allem Herpes und Candidose im Mundbereich, Diarrhoe und Urtikaria zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Die Gegenanzeigen entsprechen dem typischen Biologics-Profil:  Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, aktive Tuberkulose sowie andere klinisch relevante Infektionen, gleichzeitige Anwendung von Lebendimpfstoffen, Säuglings- und Kindesalter sowie Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund mangelnder Kenntnisse.

Zu weiteren Anwendungsgebieten für Secukinumab zählen chronische, entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Psoriasis-Arthritis, rheumatoide Arthritis (RA), Spondylitis ankylosans inklusive Morbus Bechterew und Uveitis.

Ixekizumab

Ixekizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der an Interleukin-17 (IL-17) bindet. Die bisherige Datenbasis ist noch sehr schmal. In einer Phase-II-Studie erhielten 142 Patienten, die an mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis litten (PASI > 12 Punkte), sechs subkutane Injektionen in verschiedenen Dosen. Nach zwölf Wochen reduzierte der Antikörper den PASI-Score bei bis zu 80% der Patienten dosisabhängig um mindestens 75% (Placebogruppe: unter 10%). Zur fast vollständigen Symptomfreiheit (PASI 90) reichte es bei über 70% der Behandelten.

Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Für verlässliche Aussagen zur Sicherheit und Wirksamkeit dieses Biologikums ist es mit einem Beobachtungszeitraum von zwölf Wochen aber noch viel zu früh. Weitere Studien und längerfristige Beobachtungen sind dafür erforderlich.

Brodalumab

Der humane monoklonale Antikörper Brodalumab richtet sich gegen den IL-17-Rezeptor. Die bisherige Datenbasis ist noch sehr schmal. In einer Phase-II-Studie erhielten 198 Patienten, die an mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis litten (PASI > 12 Punkte), sieben subkutane Injektionen in verschiedenen Dosen. Eine PASI-Reduktion um mindestens 75% wurde nach zwölf Wochen bei bis zu 82% der Behandelten erreicht. Über 70% der Studienteilnehmer wiesen sogar eine fast vollständige Symptomfreiheit (PASI 90 und besser) auf. In der Plazebogruppe war dies bei keinem der Fall.

Als häufige Nebenwirkungen der Brodalumab-Behandlung wurden Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege und Rötungen an der Einstichstelle verzeichnet. In zwei Fällen kam es unter der Höchstdosis zu einer schweren Neutropenie. Mit dem bisherigen Beobachtungszeitraum von zwölf Wochen lassen sich natürlich noch keine belastbaren Aussagen zu Wirksamkeit und Sicherheit dieses Biologikums machen. Weitere Studienergebnisse bleiben abzuwarten.

Quellen:

 

Autor: Dr. med. Jörg Zorn


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Juckende Hände - Auch an Schuppenflechte denken!

Juckende Hände - Auch an Schuppenflechte denken!

05.06.2015 | Wenn Hand oder Hände jucken, ist meistens ein Ekzem daran schuld. Es kann sich aber auch um eine Schuppenflechte handeln. Ihr wird in Form einer Psoriasis palmaris immerhin ein Anteil von 5-10% an den Handdermatosen ...... mehr

Verschlimmerte Psoriasis durch TNF-alpha-Blocker?

Verschlimmerte Psoriasis durch TNF-alpha-Blocker?

01.06.2015 | Eine paradoxe Verstärkung der zu behandelnden Schuppenflechte gehört zum vielfältigen Nebenwirkungsspektrum, mit dem Sie bzw. Ihr Patient unter der Behandlung mit Biologika rechnen müssen. In diesem Kongressbeitrag werden... mehr

Krümelnägel - Leukämie statt Psoriasis?

Krümelnägel - Leukämie statt Psoriasis?

25.05.2015 | Hinter einer Psoriasis-Arthritis mit Nagelbeteiligung kann auch mal ein paraneoplastisches Syndrom stecken. Etwa verursacht durch eine akute myeloische Leukämie oder deren Rezidiv - eine von vier kurzen Kasuistiken zu... mehr

Zurück zur Übersicht